Finde den Fehler

Ich weiß, was ich gerade tue: ich versuche den Fehler zu finden. Ich versuche zu analysieren, was an der Situation nicht stimmt, weil ich mir selber nicht eingestehen kann, dass es gut läuft und ich daran nichts ändern sollte.

Folglich gehe ich jede noch so kleine Information, die sich in den letzten 10 Monaten angesammelt hat Stück für Stück durch. Warum er so schnell bei mir wohnen möchte, dass er Schulden hat, dass er so schnell Schulden bei mir gemacht hat, dass er vieles auf mich abwälzt, dass die Aufgaben gefühlt ungleich verteilt sind, dass er gar nicht glücklich bei mir werden kann. All das ist in den letzten Wochen hochgekommen, hat mich zum Nachdenken gebracht und versucht, das Schlechte an der Situation zu sehen. Meine Reaktion auf ihn hat sich verändert, seit dieser Prozess in mir begonnen hat und ich mag mich nicht dafür, denn wenn man sich jeden Punkt genauer anschaut, gibt es mehrere Seiten davon:

Er möchte nicht zwingend bei mir wohnen, vielmehr möchte er mit mir wohnen. Mit mir zusammen sein ohne eine räumliche Trennung. Dafür hat er meinen Wunsch respektiert, dass wir mehr bei mir sind und hat seine Zelte vorrübergehend abgebrochen in seinem Domizil. Er hat Schulden – aber wer hat die nicht. Jedoch hat er mich noch nicht einmal um Hilfe dabei gebeten, sondern eher offen mit mir über seine Finanzielle Lage gesprochen um mir nichts zu verheimlichen. Die schnellen Schulden bei mir waren eher meinem Drang gewidmet, ihm eine andere Welt zu zeigen. Eine, die man mit Geld kaufen kann, dass er nicht hat.

Er wälzt auch nicht viel auf mich ab, er versucht nur das Richtige zu tun und hat durch meinen Hang zum Perfektionismus nicht das Gefühl, dass er es jemals richtig hinbekommt. Also möchte er vieles mit mir machen, damit ich danach nicht sagen kann: War Mist, merkste selber. Dafür bin ich bekannt. Ich bin nicht nur perfektionistisch veranlagt, ich weiß auch alles besser, jedenfalls möchte ich das von mir glauben. Genauso verhält es sich mit den Aufgaben rund um die Wohnung, denn ich habe von Anfang an klargemacht, dass verschiedene Dinge einfach für ihn tabu sind und damit Grenzen aufgezeigt, die die Verteilung klar zu meinen Ungunsten ausfallen lässt. Das wollte ich so, dann kann ich mich nicht darüber aufregen.

Aber eigentlich steckt hinter all dem die einfache Angst, dass er eines Tages aufwacht, sich umsieht, beschließt, dass es keinen Sinn macht und geht. Mich einfach zurück lässt. Dieser Angst in mir begegne ich nicht mit Verständnis, dass sie normal ist aufgrund meiner Erfahrungen und dass auch sie ihren Platz haben kann. Sondern ich reagiere gereizt und sensibel auf alles, was er tut und nicht tut. Ich bestrafe ihn dafür, dass ich meine Angst nicht in den Griff bekomme, weil ich mir nicht eingestehen will, dass er bei mir sein möchte. Um meinetwillen und wegen dem Leben, was ich ihm bieten kann. Er ist wegen mir hier, der Rest ist egal.

Jetzt muss ich das nur noch abspeichern.

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